Tetzel, Ablass-Briefe und die Tetzel-Cassette

Geldkassette von Tetzel

Über den Ablasshandel und seinen bedeutendesten Vertreter, Johann Tetzel, ranken sich Legenden

Die Kirchen im ausgehenden Mittelalter brauchten Geld, viel Geld. Ihre Würden wurden zumeist erkauft und der ach so asketische Lebenswandel der Geistlichen kostete doch auch so einiges. Nicht wenige sahen im Verkauf von Ablass-Briefen eine gewinnbringende Idee. Und schließlich hatten viele namhaften Personen dieser Zeit Schulden bei den Fuggern.

Eigentlich war das Prinzip ja nicht neu! Die Angst vor der Hölle und nicht ins Himmelreich aufzusteigen, ließ die Geldbörsen öffnen. Schon die Adeligen im frühen und Hochmittelalter übergaben Ländereien und Güter an die Kirchen – um deren Seelenheil willen, wie man es des Öfteren lesen kann. Und es gab das Kirchenpatronat. Dabei stiftete ein (zumeist) Adliger ein Gotteshaus und bezahlte den Priester. Im Gegenzug bekam man nicht nur einen besonderen Sitz in der Kirche, sondern auch tägliche Fürbitten – über den Tod hinaus. Und mit Fürbitten kann man die Vorhölle – das Fegefeuer – verlassen und in den Himmel aufsteigen, so der Glaube. Noch heute kann man in den Kirchen Fürbitten erkaufen.

Schließlich hatte die katholische Kirche über ein Jahrtausend die Alleinlösung für das Seelenheil und die konnte nun jede Person käuflich erwerben – der Markt war da und musste nur abgeschöpft werden.

Johann Tetzel

Einer hat sich bei diesem Handel besonders erfolgreich angestellt: Der Prediger und Mönch des Ordens der Dominikaner: Johann Tetzel. Er war auch der Auslöser für Luthers Thesen, denn er brachte die ganze Sache zu einem Höhepunkt. Er wurde 1460 geboren und starb mit 59 Jahren an der Pest.

In den frühen Jahren des 16. Jahrhunderts war Tetzel in der Branche des Ablasshandels im ganzen damaligen Reich unterwegs. Dabei wurde er nicht selten bei sündigem Verhalten erwischt – er war ein Mensch der Doppelmoral – ganz klar: Wasser predigen und Wein trinken, war sein Credo. Das Motto seines Geschäfts aber war: „Sobald das Geld in der Kasse klingt, die Seele in den Himmel springt.“ (oder äquivalent: „…, aus dem Fegefeuer springt“)

Das Geld sammelte Tetzel in einer nach ihm benannten Cassette auf: Einer Kiste, worauf ein Teufel gemalt worden sollen sein. PR durch den Einsatz bildlicher Stilmittel, würde man das heute wohl nennen. Zudem war das oben genannte Motto vermerkt.

Legende von Tetzel und dem Ritter von Hagen

Viele Kirchen behaupten einen solchen oder sogar den einen Tetzel-Kasten zu haben. Denn darum rankt sich eine Legende. Oder vielmehr Legenden, denn viele bringen diesen vermeintlichen Vorfall mit ihrer Region in Verbindung.

Eines Abends kam ein Ritter von Hagen (für den sächsischen Raum) zu Johann Tetzel und fragte nach einem Ablass-Brief für künftige Sünden. Das war ebenfalls nichts Neues, jedoch nicht so gewöhnlich. Schließlich hatte der Papst den Kreuzzüglern die Sünden auf dem Weg ebenfalls im Vorherein vergeben. Da es aber eher selten der Fall war, war Tetzel vorsichtig. Der Ritter erhöhte sein Angebot für einen solchen Ablass-Brief für die Zukunft. Die Geldgier stieg Tetzel zu Kopf und er übergab den Ablass-Brief an den Ritter.

Am Kommenden Tag zog der Seelenverkäufer weiter und wurde unterwegs von einer Bande überfallen. Der erboste Tetzel soll seine Arme gen Himmel geworfen haben und geschrien, dass Gott diese Sünde nie verzeihen wird! Einer der Banditen zog seine Maske herunter und es war der Ritter von Hagen.

Grinsend soll er dem Tetzel den Ablass-Brief gezeigt haben und ist mit der ganzen Beute auf und davon!

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